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Clemens Behr

Erst die gute Nachricht, bitte!

26. February 2016 - 23. April 2016

If the German artist titles his show “Erst die gute Nachricht, bitte!“ („The good news first, please!“), and focuses on deconstruction and fragmentation processes in the center of his artistic methodology, we do not want to follow the logical argument of this call. Rather, we must exclude the bad news from the implied train of thought and restrict ourselves to the good news and the motto: take what you need.

Only, what do you need to make art? Clemens Behr, who was born in 1985 in Koblenz and studied at the UDK in Berlin, does not need much. His works are characterized by an intense examination of the public space, equipped with a inclination for everyday materials such as wood or cardboard and a large talent for improvisation. In recent years, Behr has cultivated his preference for DIY (do-it-yourself projects) strategies and realised works around the globe—from Oslo to San Francisco to São Paulo. Flexibility, modesty (bordering on needlessness), intuition and the courage for appropriation and misappropriation are the characterological dispositions which characterize his artist profile.

Central to Behrs mostly site-specific works, localized in the indoor as well as outdoor spaces, is the principle of collage and its spatial unfolding in the assemblage. From found objects, remnants of social use, waste from the road, objects trouvés to generally recycled materials, Behr combines this myriad of materials in the manner of a bricoleur in order to create his high-relief oeuvres, free standing sculptures and all encompassing installations. Behr’s working with “whatever-is-at-hand“ is based loosely on Claude Levi-Strauss’s concept of “bricolage”, a non-predetermined process that combines elements of random chance and improvisation. The artist, who once compared demolition sites to a gold mine, creates his art from existing modules and objects. Behr sees himself as a free jazz musician who separates these objects into their individual components, generating a new aesthetical syntax, which „take and combine what is there“ so the here and now may unfold.

Behr builds his abstract geometric constructions out of recodified materials. Those creations tend to be ephemeral and based on intuitive decisions. They follow a tradition of dadaistic and cubist imagery and remind us of the apartment that Kurt Schwitters transformed into a work of art named „Merzbau“. Due to unfortunate circumstances, Merzbau was unintentionally destroyed in an airstrike during World War II. What is intentional in Clemens Behr’s work is his preference in the principal of deconstruction rather than construction and favor for the procedural work method over conservation and the value of eternity.

Text by Angela Stief

Mit der Ausstellung „Erst die gute Nachricht, bitte!“ präsentiert Galerie Nathalie Halgand die erste Einzelausstellung des deutschen Künstlers Clemens Behr in Österreich.

Wenn der deutsche Künstler seine Schau mit „Erst die gute Nachricht, bitte!“ betitelt, und er Dekonstruktion und Fragmentierungsprozesse in den Mittelpunkt seiner künstlerischen Methodik rückt, wollen wir der logischen Argumentation dieser Aufforderung lieber nicht folgen, belassen es bei der guten Nachricht und entscheiden uns, die schlechte Nachricht aus dem implizierten Gedankengefüge auszuschließen. Ganz nach der Devise: Man nehme, was man brauche.

Nur, was braucht man für das Kunst-Machen? Clemens Behr, der 1985 in Koblenz geboren wurde und an der UDK in Berlin studiert, braucht nicht viel. Geprägt durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, ausgestattet mit einer Neigung zu alltäglichen Materialien wie Holz und Karton und einer großen Portion Improvisationstalent, hat er in den letzten Jahren seine Vorliebe zu DIY (Do-It-Yourself)-Strategien kultiviert und rund um den Globus, von Oslo über San Francisco bis nach São Paulo, Werke realisiert. Flexibilität, Bescheidenheit, die an Bedürfnislosigkeit grenzt, Intuition und Mut zur Aneignung und Zweckentfremdung sind die charakterlichen Dispositionen, die sein Künstlerprofil prägen.

Im Mittelpunkt von Behrs meist raumspezifischen Arbeiten, die gleichermaßen sowohl im Innen- wie auch im Außenraum lokalisiert sind, steht das Prinzip Collage und ihre räumliche Ausfaltung in der Assemblage. Aus Fundstücken, Überresten des gesellschaftlichen Gebrauches, Abfall von der Straße, objects trouvés und ganz allgemein wiederverwendeten Materialien stellt Clemens Behr in der Manier eines Bricoleurs teils riesige Installationen, Wandskulpturen und Bildwerke her. Behrs „Arbeiten mit was-auch-immer-zur-Hand ist“, wie Claude Lévi-Strauss über die nicht prädeterminierte Technik der Bricolage schreibt, verdankt sich der Improvisation und dem Zufall. Der Künstler, für den Abbruchstellen Goldminen sind, hat sich selbst einmal mit einem Free Jazz Musiker verglichen und verdeutlicht damit eine Herangehensweise des Samplings, die aus vorhandenen Modulen und Gegenständen, die er in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt, eine neue ästhetische Syntax generiert, die sich im Hier und Jetzt entfaltet: „nehmen und verknüpfen, was da ist“.

Clemens Behrs aus neucodierten Materialien hergestellte, abstrakt geometrische Raumgebilde, die vielfach ephemer und kurzlebig sind, und von intuitiven Entscheidungen leben, stehen in der Tradition einer dadaistischen und kubistischen Bildsprache und erinnern an Kurt Schwitters’ in ein Kunstwerk transformierte Wohnung Merzbau. Es ist wohl nur einem unglücklichen Umstand der Geschichte geschuldet, dass der Merzbau im zweiten Weltkrieg durch einen Luftangriff zerstört wurde. Doch ist es kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung, dass Clemens Behr die Dekonstruktion als Prinzip der Konstruktion und die prozessuale Arbeitsweise der Konservierung und dem Wert auf Ewigkeit vorzieht.

Text von Angela Stief