past

Anita Schmid & Amelie Zadeh

In the sense of…

27. October 2016 - 10. November 2016

In 1956 Edward Steichen opened the exhibition„Abstraction in Photography“ in the New York Museum of Modern Art. Steichen had already postulated during this time that photography in its various usage and contexts can not be thought of without abstraction.

Rather, it abstracts per se– whether intentional or accidental– and frequently undermines forms of representation and indexicality. The term „abstract“ serves merely as a label in order to outline aesthetic and subjective photographic methods beyond its claim to objectivity.

This moment in the history of photography sixty-five years later must be taken as an occasion to illuminate and question the link between photography and abstraction by its own artistic methods.

The current use of photography to perceive every angle of our reality with tablets, cameras and telephones produces pictures that are already „reality itself.“ Nevertheless, an unease surrounds these vast amounts of images, as their intangibility and ephemerality deprives them of every attribution of meaning. At the same time, they play and manipulate the effects of authenticity and objectivity by using different color filters on various apps and applications that get applied to the just-captured images.

Current photographic images develop into complex, and in this sense, abstract surfaces onto which we project, on the one hand, our wishes; and on the other hand, they reflect and highlight their fragile status and challenge our thoughts about photographic images. Effects have always been a part of photography since its inception. Whether with scientific photography or the constructivist experiments of the 1920s–distance and illusion, seduction and deception of human perception shape the abstract complexities of photographic images. This further opens up the concept of „abstraction“ instead of using it as a label and pure classification. It is these ambiguities with which Anita Schmid and Amelie Zadeh grapples with in the exhibition „In the sense of“.

In cooperation with eyes on- month of the photography www.eyes-on.at

German

Im Jahr 1956 eröffnete Edward Steichen im New Yorker Museum of Modern Art die Ausstellung „Abstraction in Photography“. Steichen konstatierte bereits in dieser Zeit, dass Fotografie in ihren unterschiedlichen Gebrauchsweisen und Kontexten nicht ohne Abstraktion zu denken sei.

Vielmehr abstrahiere sie per se – ob intentional oder zufällig – und unterläuft immer wieder Formen von Repräsentation und Indexikalität. Die Bezeichnung „abstrakt“ diene lediglich einer Markierung, um ästhetische und subjektive Praktiken des Fotografischen jenseits eines Objektivitätsanspruches zu umreißen.

Dieses fotogeschichtliche Moment soll zum Anlass genommen werden, 65 Jahre später die Verbindung von Fotografie und Abstraktion durch eigene künstlerische Praktiken zu beleuchten und zu hinterfragen.

Der heutige Gebrauch von Fotografie, jeden Winkel unserer Realität durch Tablets, Kameras und Telefone zu wahrzunehmen, produziert Bilder, die bereits „reality itself“ sind. Dennoch haftet diesen Unmengen an Bildern ein Unbehagen an, da ihre Immaterialität und Flüchtigkeit sich jeder Zuschreibung von Bedeutung entziehen, gleichzeitig spielen und manipulieren sie mit Effekten von Authentizität und Objektivität, ähnlich den unterschiedlichen Farbfiltern, die sich durch diverse Apps und Anwendungen auf das soeben aufgenommene Bild applizieren lassen.

Aktuelle fotografische Bilder werden zu komplexen, und in diesem Sinne abstrakten Oberflächen, auf welche wir einerseits unser Begehren projizieren, andererseits reflektieren und markieren sie ihren fragilen Status und fordern unser Denken über und mit fotografischen Bildern heraus. Effekte sind also immer schon Teil des Fotografischen seit seine Ursprüngen. Ob die wissenschaftliche Fotografie oder konstruktivistische Experimente der 1920er Jahre – Distanznahme und Illusion, Verführung und Täuschung der menschlichen Wahrnehmung formen jene Komplexität des Abstrakten fotografischer Bilder, die den Begriff „Abstraktion“ weiter öffnet, anstatt ihn als Label und reine Klassifizierung zu verwenden. Diese Mehrdeutigkeiten sind es, mit denen sich Anita Schmid und Amelie Zadeh in der Ausstellung „In the sense of“ auseinandersetzen.

 

Amelie Zadeh (*1985 in Linz) lebt und arbeitet in Hamburg und Wien. Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien sowie bei Jeanne Faust an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.

Über ihre künstlerische Produktion hinaus widmet sie sich auch Projekten als Kuratorin und Autorin, die ihre Arbeit erweitern. Gemeinsam mit Bettina Steinbrügge kuratierte sie 2016 die Ausstellung “VI x VI Positionen zur Zukunft der Fotografie” in der Landesgalerie Linz in Kooperation mit dem Hamburger Kunstverein. Die Publikation zur Ausstellung wurde von Amelie Zadeh begleitet und erschien im Verlag für Moderne Kunst in Nürnberg. 2014 hatte Amelie Zadeh mit “Around you around me” ihre erste Einzelausstellung in der Galerie Stimulantia in Straßburg.

Von 2012 bis 2015 war sie Herausgeberin des „Streulicht- Magazin für Fotografie und Artverwandtes“. 2015 gründete sie gemeinsam mit Björn Westphal den Bla-Verlag (www.bla-verlag.de).

 

Anita Schmid (*1982 in Gmunden) lebt und arbeitet in Wien. Sie studierte von 2007 bis 2013 Kunst und Fotografie an der Akademie für bildenden Künste in Wien bei Matthias Herrmann und Martin Guttman.

Anita Schmids Arbeiten wurden in den Einzelausstellungen in der Galerie im Ersten, Wien (2015 und 2013), im The Grand Chelsea, New York (2014), im Bildraum 01 sowie in der Villa Tugendhat in Brno (2012) gezeigt. Sie nimmt regelmäßig an internationalen Gruppenausstellungen teil, u.a. zeigte sie ihre Arbeiten im Neuen Kunstverein, Wien (2015), während der Last Brucennial, New York (2014), Viktor Bucher (2012), Max Lust (2011) und Jennyfair (2010).